Spaziergang durch eine Perle

01. Juni 2013

Der Mitgliedervertreter Stephan Knothe zeigt uns sein Quartier – ein Idyll für Singles, Ehepaare und Familien, die es gerne ruhig, grün und zentral gelegen haben. Die Siedlung verlassen muss allerdings niemand – alles, was Menschen brauchen, lässt sich von hier aus zu Fuß erreichen.

Mächtige Bäume spannen ihr Blätterdach über die Straße, die Bürgersteige sind breit, die Vögel zwitschern, ein Kinderwagen wird nach Hause geschoben. Durch die Siedlung führen verschlungene Pfade, vorbei an Reihenhäusern mit idyllischen Gärten, durch kleine Parks, über sanfte Hügel – Autos kommen hier nicht rein. Dafür treffen sich Jugendliche zum Chillen an den Wäscheleinen, Mütter genießen die Sonne, den Nachwuchs auf dem Spielplatz mit einem Auge wachsam im Blick, ein Künstler meißelt an seiner Skulptur. Die Siedlung »Am Landpflegeheim« ist eine kleine Perle im Westen der Hansestadt und zählt rund 900 Wohnungen des Bauverein der Elbgemeinden.

Stephan Knothe wohnt hier und ist einer von mehreren Mitgliedervertretern des BVE in diesem Quartier. Alle fünf Jahre werden sie von den Mitgliedern ihres Bezirks gewählt. Er vertritt die Interessen der Mitglieder, erkundigt sich nach Sorgen oder vermittelt bei kleinen Streitigkeiten. »In den Trockenräumen im Keller der Häuser knirscht es schon mal«, sagt er. »Weil Wäsche verschwinde toder zu lange hängt.« Ansonsten wirkt der 57-jährige Sachgebietsleiter Einkauf bei der Deutschen Post in seiner 2-Zimmer-Wohnung zufrieden. »Eine wunderbare Mischung von jungen, älteren Singles, Ehepaaren und Familien lebt hier. Es ist ruhig und grün und ich bin in wenigen Minuten an der Elbe oder in der Innenstadt«, sagt er und blickt durch das Fenster auf den kleinen Spielplatz hinter seinem Balkon. »Den haben wir vor wenigen Jahren mit Mitteln aus dem Verfügungsfonds des BVE bauen lassen.« 26.000 EUR haben die Mitgliedervertreter jedes Jahr zur Verfügung für ihr Quartier. Es gehört zu ihren Aufgaben, die Verschönerungs- und Verbesserungsvorschläge bei den Bewohnern einzusammeln und mit ihnen und dem BVE über die Verwendung der Mittel zu diskutieren: Fahrradbügel vor der Tür, die Beleuchtung eines stillen Pfads, neue Hecken zum Bürgersteig, ein frischer Anstrich für die Keller oder ein sommerliches Grillfest für die gesamte Nachbarschaft? »Am Geld scheitert es meist nicht, eher an der Zeit, die für die Organisation notwendig ist«, sagt Knothe: »Da brauche ich dann die Hilfe meiner netten Nachbarn.«

Dreigeschossige Satteldachhäuser aus der Nachkriegszeit prägen das Bild der Siedlung; schmale, weiße Riegel mit zwei Eingängen pro Haus und acht Parteien pro Aufgang. Weiter hinten finden sich größere Neubauten. »Dort wohnen vor allem Familien«, sagt Knothe. Und mittendrin immer wieder kleine Reihenhaus-Ensembles – gerne in Schlangenlinien angelegt. Es fehlt an nichts: Schulen, Kindergärten, das Elbe-Einkaufszentrum, der »Dorfkrug« für Raucher und der kleine Italiener »La Favola« für romantischere Stunden. Sogar eine Werkstatt für die Leiden der Pkws beherbergt die Siedlung.

Knothe wohnt seit 2000 hier, Mitglied beim BVE ist der bekennende HSV-Fan seit 1975. Schon sein Vater war Mitglied, später im Aufsichtsrat des BVE. Aus dem Erbe seines Großvaters wurde seine Mitgliedschaft finanziert. Knothe ist also »Genossenschaftler in Erblinie« und mit Sicherheit ein exzellenter Mitgliedervertreter in dies er idyllischen Perle von Siedlung. Nichtmitgliedern sei zumindest ein Sommer-Spaziergang durch die Siedlung empfohlen – sie werden ein neues Gesicht von Hamburg entdecken.