Finke geht durchs Quartier
Die S-Bahn entlässt mich an der Station Aumühle im Sachsenwald. Hier findet sich das mit guter Küche gesegnete Hotelrestaurant Waldesruh am See und gleich nebenan das erste Ziel meines heutigen Spazierwegs, das Eisenbahnmuseum im Lokschuppen Aumühle. Für mich als Bahnbegeisterten und Modellbahner ein freudiges Ereignis, die Loks und Züge in Originalgröße zu sehen, betreten zu dürfen, in den regen Informationsaustausch mit den ehrenamtlichen Museumsmitarbeitenden zu gehen. Der Eintritt ist fast immer frei – Spenden sind aber jederzeit herzlich willkommen.

Jetzt könnte ich Richtung Anwesen der Familie von Bismarck weitergehen und den dortigen Schmetterlingsgarten oder den letzten Wohnort des sog. Eisernen Kanzlers besuchen, aber dort ist es mir heute zu voll und – ehrlich gesagt – auch zu teuer. Dennoch, auch der Schmetterlingsgarten ist einen Besuch wert. So biege ich ab in den tiefen und gar nicht so dunklen Sachsenwald und erreiche das Forsthaus Witzhaver Viert. Im Herbst kann man im wenig besuchten Sachsenwald ganz wunderbar die letzten schönen Tage genießen. Ich imaginiere mir Elche, Rehe, Wildschweine und Einhörner zusammen, so komme ich an die Bille und unterquere die Autobahn A24, die Hamburg mit Berlin verbindet. Mein Weg führt über die Lange Brücke, die anscheinend gerne für Hochzeitsfotos verwendet wird. Die Corbek, ein kleiner Nebenfluss der Bille, mündet hier. Eine echte Idylle im Hamburger Osten.

Den Ort Witzhave erreiche ich nach wenigen weiteren Gehminuten. Hier tobt jetzt auch nicht das Leben, aber die kleine Bäckerei Braaker Mühle hat geöffnet, Glück gehabt. Unter der Woche hat man wohl neuerdings geschlossen, aber es soll noch ein Hotel im Ort geben, welches leckeres Abendessen anbietet – und vermutlich auch ein kühles Bier. Mir ist heute aber nach Kaffee und Kuchen und beides genieße ich vor der Bäckerei in der Restsonne.
Mit der Buslinie 333 geht es in knapp einer halben Stunde über die Straße Büchsenschinken (was für ein großartiger Name!) und durch den Ort Glinde nonstop zur Endhaltestelle Steinfurther Allee. Hier stehen in den Straßen Morsumer Weg und Tinnumer Weg zwei gro-ße BVE-Wohnanlagen aus den 70er Jahren mit insgesamt 415 Wohnungen und ein paar Ladenflächen. Eines der beiden Häuser ist es bereits, das andere wird aktuell umfassend modernisiert. Wir haben hierüber bereits mehrfach in der BVE-aktuell berichtet.
Was bedeutet eigentlich umfassende Modernisierung für jeden einzelnen Bewohner, jede Bewohnerin? Zuerst einmal muss man für einige Wochen die Wohnung innerhalb der Wohnanlage wechseln, damit die eigene modernisiert werden kann. Die Wohnräume sind nicht betroffen, hier kann man sein Mobiliar und seine persönlichen Gegenstände zwischenlagern, einschließen; Küche, Badezimmer und Flur müssen aber völlig frei sein. Bad und Küche werden so modernisiert, dass man sich wie im Neubau wähnt.
Was man jedoch nicht sieht, sind neue Frischwasser- und Abwasserleitungen, einen erhöhten modernen Brandschutz, die Beseitigung nicht unbedingt gesundheitsförderlicher Baumaterialien aus den 70´er Jahren, und vieles weiteres mehr. Nach einigen Wochen zieht man, wenn gewünscht und notwendig mit Hilfe des BVE, zurück. Die Umsetzerwohnung wird dann für den nächsten Bauabschnitt benötigt.
Insgesamt 251 Wohnungen werden in mehreren Bauabschnitten modernisiert. Später dann gibt es an der Außenhülle der bis zu 13 Stockwerke hohen Gebäude eine Betonsanierung und eine Fassadendämmung mit Neugestaltung der Architektur. Auch hier sollen unsere Mitglieder den Eindruck gewinnen, in einen neuen Bau zurückzuziehen und zu leben. Hut ab vor der Leistung meiner Kolleginnen und Kollegen, diese Baumaßnahme zu koordinieren, Terminplanungen im Blick zu haben und auch einzuhalten, den Menschen vor Ort Rede und Antwort zu stehen, bei den Umzügen physisch zu helfen und moralisch unterstützend dabei zu sein. Und das über einen Zeitraum von fast vier Jahren – so lange dauert die gesamte Maßnahme.
Mit diesen Gedanken und einem letzten Blick auf das zentrale Hochhaus nehme ich die U-Bahn Richtung Hamburger Innenstadt.
Herzlich
Ihr Peter Finke
P.S.: Ich habe eine Idee, denn diese Kolumne wird anscheinend gerne gelesen und häufig wohl auch nach-gewandert. Wollen wir ein- oder zweimal im Jahr eine längere Strecke gemeinsam zu Fuß gehen? Man sieht gemeinsam etwas, unterhält sich, kommt vor allem mit anderen BVE-Mitgliedern ins Gespräch. Das Thema Einsamkeit bei Jung und Alt bewegt uns und das gemeinsame Spazierengehen könnte eine Idee für mehr Miteinander sein. Interessierte melden sich bitte bei mir unter p.finke@bve.de.