Digitalisierung und KI sind beim BVE ein zentrales Thema der Unternehmensstrategie. Vorstand Michael Wulf erklärt, warum es dabei nicht nur um Technik geht – sondern vor allem um die Menschen.
Der BVE befindet sich in einem Transformationsprozess. Worum geht es dabei?
Michael Wulf: Wir stellen uns schon seit einigen Jahren die Frage, wobei uns digitale Anwendungen sinnvoll unterstützen können. Dabei geht es uns ausdrücklich nicht um Technik um der Technik willen. Unser Maßstab ist immer: Bringt das unseren Mitgliedern einen echten Mehrwert, besseren Service? Und unterstützt es gleichzeitig unsere Mitarbeitenden? Wenn idealerweise beides zusammenkommt, dann lohnt es sich.
Was bedeutet das konkret für den Alltag im Unternehmen?
Ein gutes Beispiel ist der Umgang mit Standard-Anfragen. Wenn ein Mitglied seinen Dauernutzungsvertrag einsehen wollte, musste dafür ein Mitarbeiter die Kommunikation bearbeiten, ins Archiv gehen und den Vertrag suchen. Heute kann das ein automatisierter Prozess in wenigen Sekunden erledigen. Die eingesparte Zeit können wir anders viel besser nutzen. Nämlich für Dinge, die ein „Computer“ nicht leisten kann. Wenn es zum Beispiel ein Problem im Haus gibt, dann ist es oft sinnvoller, hinzufahren und mit den Menschen zu sprechen, statt mehrere Briefe hin und her zu schreiben. Diese Kombination aus Effizienz und persönlicher Nähe ist unser Ziel. Das bauen wir gerade beides aus.
Damit ändern sich auch die Berufsbilder.
Absolut. Die Zeiten, in denen man einen Job einmal lernt und ihn dann 40 Jahre unverändert ausübt, sind vorbei. Das gilt übrigens nicht nur für uns, sondern für viele Branchen. Tätigkeiten verändern sich. Klassische Routinen fallen weg, dafür entstehen neue Aufgaben. Das kann eine Chance sein – manchmal ist es aber auch eine Herausforderung. Deshalb ist uns wichtig zu betonen: Es geht nicht darum, Stellen abzubauen, sondern die Arbeit sinnvoll weiterzuentwickeln. Klar ist aber auch: Veränderungen und Veränderungsbereitschaft gehört heute zwingend dazu.
Welche Prozesse sind beim BVE bereits digitalisiert – und wo sehen Sie die größten Effekte?
Wir haben inzwischen eine ganze Reihe von Prozessen umgestellt. Unser Posteingang ist vollständig digitalisiert. Alles wird eingescannt und direkt in die Systeme eingespielt. Ein anderes Beispiel sind die Schadensmeldungen: Wenn ein Mitglied ein Problem meldet, kann der Prozess inzwischen weitgehend automatisiert ablaufen – bis hin zur Beauftragung einer Fachfirma. Das sind typische Routinetätigkeiten, bei denen wir große Effizienzgewinne haben.
Wie schaffen Sie es, die Mitarbeitenden bei diesem Wandel mitzunehmen?
Das ist eine wichtige Aufgabe in diesem Prozess. Wir setzen stark auf Transparenz und frühzeitige Kommunikation. Bei unseren internen Veranstaltungen ist die Digitalisierung regelmäßig ein Thema. Außerdem bieten wir gezielt Schulungen und Weiterbildungen an.
Gleichzeitig machen wir aber auch klar: Der Wandel ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Natürlich gibt es unterschiedliche Reaktionen: Manche haben große Lust darauf, andere tun sich schwerer. Das ist völlig normal. Entscheidend ist, dass wir die Menschen begleiten und ihnen die Perspektiven aufzeigen.
Sind die BVE-Mitarbeitenden dafür offen?
Ja, grundsätzlich schon. Wir haben zum Beispiel einen Master-Lehrgang im Bereich KI angeboten, um gezielt Kompetenzen im Unternehmen aufzubauen. Darauf haben sich mehr als 20 Mitarbeitende aus ganz unterschiedlichen Bereichen beworben. Das zeigt uns: Es gibt ein sehr großes Interesse, sich weiterzuentwickeln und aktiv an diesem Wandel mitzuwirken.
Auf dem Markt gibt es ständig neue digitale Lösungen für die Wohnungswirtschaft. Wie identifizieren Sie die richtigen Angebote für den BVE?
Dafür haben wir den Bereich Unternehmensentwicklung aufgebaut. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich zunächst alle Arbeitsprozesse im Detail angeschaut: direkt vor Ort, am jeweiligen Arbeitsplatz, gemeinsam mit den Mitarbeitenden. Auf dieser Grundlage haben wir Potenziale identifiziert und eine klare Agenda entwickelt. Diese Themen arbeiten wir jetzt Schritt für Schritt ab.
Gibt es Bereiche, die sich weniger stark verändern werden?
Die handwerklichen Tätigkeiten werden nicht von heute auf morgen ersetzt. Aber auch dort verändern sich die Abläufe – etwa bei der Organisation oder der Auftragsvergabe. Grundsätzlich würde ich sagen: Es gibt kaum einen Bereich, der nicht betroffen ist. Der Wandel verläuft unterschiedlich schnell, aber er erreicht letztlich das gesamte Unternehmen.
Welche Rolle spielt der persönliche Kontakt in einer zunehmend digitalen Organisation?
Vielleicht sogar eine größere als früher. Wenn die Dinge immer schneller und automatisierter ablaufen, gewinnt auf der anderen Seite der persönliche Kontakt an Bedeutung. Wir bauen deshalb unsere Präsenz vor Ort gezielt und erheblich aus. Unsere Mitarbeitenden sollen in den Wohnanlagen sichtbar und ansprechbar sein – regelmäßig. Denn am Ende geht es nicht nur darum, Prozesse abzuwickeln, sondern darum, Probleme wirklich zu lösen – und das gelingt oft am besten im direkten Gespräch.
Sind Sie persönlich ein Fan der Digitalisierung?
Ja, absolut. Ich sehe darin große Chancen auch für unsere Genossenschaft. Natürlich wird nicht alles von Anfang an perfekt laufen, und wir werden auch neue Herausforderungen erleben. Aber ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Ansatz richtig liegen. Wichtig ist mir dabei, dass wir den Wandel aktiv gestalten und nicht nur auf äußere Entwicklungen reagieren. Deshalb haben wir früh damit begonnen.
Was ist Ihre Vision für den BVE in den kommenden Jahren?
Mein Wunsch ist, dass wir diesen Spagat dauerhaft gut hinbekommen: Auf der einen Seite moderne, effiziente Prozesse, die unseren Mitgliedern einen schnellen und guten Service bieten. Und auf der anderen Seite echte Nähe und persönliche Ansprechpartner. Wenn uns das gelingt, dann bleiben wir als Genossenschaft nicht nur wettbewerbsfähig, sondern auch unverwechselbar.