Auch der BVE kann jeden Euro nur einmal ausgeben und muss deshalb seine Investitionen sorgsam abwägen. Priorität haben bei der energetischen Modernisierung immer diejenigen Maßnahmen, die für Instandhaltung – und damit für die Erhaltung der Substanz – notwendig sind.
Sofern Bauteile ausgetauscht werden müssen, verbindet der BVE diese Arbeiten mit einer energetischen Aufwertung der Gebäude im Sinne des Klimaschutzes. Ist beispielsweise eine neue Fassadenverkleidung nötig, wird diese so ausgewählt, dass sie gleichzeitig die Energieeffizienz verbessern.
Im Geschäftsjahr 2025 investierte der BVE insgesamt 44,4 Millionen Euro in die Instandhaltung und Modernisierung seiner Bestände. Für die Jahre 2026 bis 2030 ist ein Budget von weiteren 161,5 Millionen Euro eingeplant. Bis 2045 plant der BVE rund 1 Milliarde Euro an zusätzlichen Investitionen in Neubau, Modernisierung und Instandhaltung.
»Wir investieren heute deutlich mehr in unsere Bestände als noch vor einigen Jahren«, sagt Kathrin Hildebrandt, die das Modernisierungsteam beim BVE leitet. Die Gründe dafür liegen in den Gebäuden selbst, im Klimaschutz und in der allgemeinen Baukostenentwicklung.
Den Bestand für nachfolgende Generationen sichern
Ein großer Teil der BVE-Wohnungen stammt aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Viele Bauteile erreichen deshalb nun das Ende ihrer technischen Lebensdauer und müssen erneuert werden. »Der Erneuerungsbedarf ist in manchen Gebäuden deutlich sichtbar. Das hat für uns als Genossenschaft Vorrang, denn die Versorgung der Mitglieder mit Wohnraum ist unser satzungsgemäßer Auftrag. Die Investitionen von heute sichern das Wohnen von morgen«, erklärt Kathrin Hildebrandt.
Wenn sich im Zuge der Instandhaltung eine energetische Verbesserung sinnvoll umsetzen lässt, wird diese realisiert. Grundsätzlich setzt der BVE auf dem Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand aber zuerst auf die Transformation der Energieversorgung und der Haustechnik, weil hierin die wirksameren und im Blick auf die Mieten die kostengünstigeren Hebel liegen.
Eine Herausforderung sind die weiterhin hohen Baukosten: Materialpreise, technische Anforderungen und gesetzliche Vorgaben haben sich in den vergangenen Jahren spürbar erhöht. »Die Maßnahmen sind heute deutlich teurer als noch vor einigen Jahren«, sagt Kathrin Hildebrandt. »Auch das spiegelt sich in unserem Investitionsvolumen wider.«
22 Projekte parallel
Die meisten Erhaltungsmaßnahmen plant der BVE lange im Voraus. Grundlage für die Investitionsentscheidungen ist eine systematische Bestandsaufnahme, die zeigt, welche Gebäude und Bauteile kurz-, mittel- oder langfristig Handlungsbedarf haben. Auf dieser Basis werden Maßnahmen priorisiert.
Dabei wird auch geprüft, welche Arbeiten sich sinnvoll bündeln lassen – etwa wenn ohnehin ein Gerüst gestellt wird oder mehrere Bauteile eines Gebäudes gleichzeitig das Ende ihrer Lebensdauer erreichen.
Künftig soll dieser Prozess noch effizienter gestaltet werden. Seit Kurzem arbeitet der BVE mit einem technischen ERP-System, das den gesamten Gebäudebestand digital erfasst. Damit lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Bauteile wo verbaut wurden, wie alt sie sind und wann Handlungsbedarf entsteht.
Derzeit betreut der BVE 22 größere Instandhaltungs- und Modernisierungsprojekte gleichzeitig. Gesteuert werden sie von einem fünfköpfigen Modernisierungsteam, unterstützt von zwei Werkstudierenden. Die Bandbreite der Maßnahmen reicht von gezielten Einzelmaßnahmen bis zu großen Quartiersmodernisierungen.
Großmodernisierung in Billstedt
Am Tinnumer Weg in Hamburg-Billstedt modernisiert der BVE seit 2024 eine Wohnanlage mit 251 Wohnungen aus den 1970er-Jahren – die bislang größte Modernisierungsmaßnahme in der Geschichte der Genossenschaft. Insgesamt investiert der BVE hier rund 60 Millionen Euro.
Im Zuge der Arbeiten werden die Gebäude umfassend technisch und energetisch erneuert. Dazu gehören neue Fassaden und Fenster sowie die komplette Erneuerung der Haustechnik und aller Leitungen. Gleichzeitig werden in allen Wohnungen Küchen und Bäder modernisiert. Auch die Hauseingänge, Gemeinschaftsbereiche und Außenanlagen werden neugestaltet.
Die Strangsanierung in den neungeschossigen Häusern soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein; parallel beginnen bereits die Arbeiten an Fenstern und Fassaden. Im Anschluss folgt die Modernisierung des 14-geschossigen Hauses.
Das Ziel ist es, die Wohnqualität deutlich zu verbessern und die Gebäude energetisch auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Nach Abschluss der Maßnahmen sollen sie den Effizienzhaus-70-Standard erreichen und langfristig fit für die Zukunft sein.
Infrastruktur und Außenanlagen in Eidelstedt
Im Quartier rund um Wischhofsweg, Furtweg und Drieschweg modernisiert der BVE derzeit vor allem die technische Infrastruktur. Neue Drainageleitungen sollen künftig Feuchtigkeitsschäden vorbeugen. Gleichzeitig werden die Hausanschlüsse erneuert und Leitungen für künftige Photovoltaikanlagen vorbereitet. Nach Abschluss der Tiefbauarbeiten werden auch die Außenanlagen gemäß dem Ampelkonzept des BVE neugestaltet und bepflanzt.
Energetische Ertüchtigung in Ottensen
An der Großen Brunnenstraße 140–154 in Hamburg-Ottensen hat der BVE 2025 eine energetische Modernisierung abgeschlossen. Die Gebäude erhielten auf der Hofseite ein Wärmedämmverbundsystem sowie neue Fenster. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit dem Neubau an der benachbarten Behringstraße. In diesem Zuge wurde der Hof so umgestaltet, dass er künftig gemeinsam genutzt werden kann.
Dachsanierung in Niendorf
Am Nordalbinger Weg 1–9 in Hamburg-Niendorf plant der BVE eine umfassende Dachsanierung. Neben der neuen Abdichtung sollen auch Fenster ausgetauscht und Teile der Fassade instandgesetzt werden. Je nach Genehmigungsstand könnten die Arbeiten noch 2026 beginnen.
Fernwärme und ergänzende Maßnahmen in Iserbrook
Im Quartier um den Iserbrooker Weg sowie den Reinheimer Weg werden mehrere Gebäuderiegel modernisiert. Hier werden die Gebäude an das Fernwärmenetz angeschlossen und mit Glasfaser ausgestattet. Geplant ist außerdem eine Dämmung einiger Giebelflächen, um Feuchtigkeitsprobleme zu beheben und Energie zu sparen.