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Mehr teilen, mehr bekommen

26. Januar 2021

Dieser Artikel ist eine Veröffentlichung aus unserem Geschäftsbericht 2019

Wie sehen die Wohnungen der Zukunft aus? Das hat InWIS gemeinsam mit der Analyse & Konzepte immo.consult GmbH im Auftrag des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (GdW) in der Studie »Wohntrends 2035« untersucht. Grundlage der Studie war eine repräsentative Befragung. Sie zeigt: Auf der einen Seite steht weiterhin der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum. Auf der anderen Seite stehen die hohen Ansprüche der Bewohnerinnen und Bewohner an die Ausstattung der Wohnungen.

Sharing I

Um Geld zu sparen, würden 44 Prozent der Menschen eine geringere Wohnfläche in Kauf nehmen. Dies ist ein Grund dafür, dass gemeinschaftliche Wohnformen im Trend liegen. Hierfür können sich mittlerweile sogar 30 Prozent der Menschen begeistern, die für die »Wohntrends 2035« befragt wurden.

Was ist darunter zu verstehen? – Insbesondere Wohnungsgenossenschaften haben schon immer gemeinschaftlich genutzte Flächen angeboten, wie zum Beispiel Gästewohnungen, Gemeinschaftsräume oder Waschküchen. Künftig wird aber noch mehr geteilt werden: Beim Clusterwohnen zum Beispiel gruppieren sich viele kleine private Appartements um größere Gemeinschaftsflächen herum. Die Mieterinnen und Mieter haben dann zwar noch eine eigene Kochnische, können aber ebenso die große Gemeinschaftsküche oder Aufenthaltsräume nutzen. Ein Beispiel dafür ist die Arbeit der urban coop berlin eG. Sie realisiert aktuell eine Immobilie zum Clusterwohnen in Berlin-Schöneberg.

Sharing: geteilte Freude, geteilte Kosten

Das Collaborative Living geht noch weiter. In der Minimalvariante sind die privaten Flächen auf das Allernötigste beschränkt. Das Leben findet weitgehend außerhalb der Wohnung statt, zum Beispiel in der Cafeteria, im Co-Working-Space oder im Spa.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner ergeben sich durch das Teilen bestimmter Bereiche zwei Vorteile: Erstens kostet der geteilte Quadratmeter den Einzelnen weniger Geld. Zweitens ersetzt das Leben in Gemeinschaft die Gesellschaft der Familie. Gerade in den gefragten städtischen Lagen werden solche Wohnformen deshalb künftig starken Zulauf haben, vor allem, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur gemeinschaftlich wohnen, sondern sich dann auch gegenseitig unterstützen.

Auch über die Nutzung von Räumen hinaus ist Sharing wirtschaftlich attraktiv und oft nachhaltiger. Deshalb werden entsprechende Angebote für Autos und Fahrräder, aber auch für Dinge wie zum Beispiel Werkzeuge weiter zunehmen. Diese Alternative zum individuellen Eigentum ist aber nur durchsetzungsfähig, wenn Reservierung und Buchung einfach zu realisieren sind – am besten rund um die Uhr und digital. Wohnungsunternehmen können ihre Kundinnen und Kunden mit entsprechenden Services wie Mieterportalen und -Apps unterstützen.

Was müssen die eigenen vier Wände bieten?

Zu klein darf die Wohnung der Zukunft aber nicht sein – selbst wenn bestimmte Funktionen ausgelagert werden. Kleinstwohnungen wie die sogenannten Mikro-Appartements kommen nur für fünf Prozent der Deutschen infrage.

Insbesondere der Flächenbedarf und die Präferenz für bestimmte Raumaufteilungen sind weniger an Moden und Geschmack gebunden als vielmehr an die Lebensphase. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade junge Single- und Paar-Haushalte am stärksten eine Vergrößerung ihrer Wohnung anstreben. Hingegen wünschen sich 28 Prozent der Menschen ab 55 Jahren eine kleinere Wohnung. Hoch im Kurs stehen Grundrisse, die flexibel der Lebenssituation angepasst werden können. Hierfür sprechen sich 54 Prozent der Befragten aus.

Sharing II

Homeoffice und Co-Working

2018 arbeiteten 16 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice. Jedes zweite Unternehmen erwartet, dass in den kommenden fünf bis zehn Jahren dieser Anteil ansteigen wird. Damit gewinnt die Frage eines angemessenen Arbeitsplatzes in der Wohnung an Bedeutung. In diesem Zusammenhang wird auch die Nachfrage nach quartiersnahen Co-Working-Spaces deutlich zunehmen. Hier schließt sich der Kreis zum Sharing-Trend.

Gehobene Ausstattung als Standard

Ein hoher energetischer Standard sowie eine gehobene Bad- und Sanitärausstattung der Wohnung werden von den meisten Mieterinnen und Mietern vorausgesetzt. Eine bodengleiche Dusche ist insbesondere für Personen ab 45 Jahren relevant – ebenso wie ein barrierearmer Zugang zum Gebäude und eine barrierearme Wohnung.

Die »Wohntrends 2035« zeigen, dass der Gang ins Freie – eventuell sogar ins Grüne – für viele Befragte selbstverständlich zum Wohnen dazugehört. Nur 11 Prozent ist es egal, ob sie Terrasse oder Balkon haben. Separate Abstellmöglichkeiten setzen 60 Prozent als Standard voraus.

Das Thema »Sicherheit« spielt seit einigen Jahren angesichts vieler Wohnungseinbrüche eine zunehmend wichtigere Rolle für die Wohnqualität. Entsprechend sind Vorkehrungen wie eine Gegensprechanlage, Querriegel an der Eingangstür oder einbruchssichere Fenster für 61 Prozent der Befragten unverzichtbar. Alarmanlagen und Videoüberwachung werden eher als Extra angesehen.

Zwischen Hightech und »Hygge«

Die Möblierung der Wohnungen von morgen bewegt sich zwischen Hightech und »Hygge«. Das bedeutet: Eine leistungsfähige digitale Grundausstattung ist selbstverständlich. Dazu gehört ein WLAN, das schon beim Einzug funktioniert, ebenso wie die Basistechnik, um die Räume miteinander zu vernetzen. Die Technik wird die Räume aber nicht dominieren, sondern im Hintergrund bleiben. Denn die Gestaltung soll mehr das Wohlfühlen und die Gemeinschaft fördern. Barrierearmut verliert den Sonderstatus für Senioren und wird allgemein als wichtiges »Wohlfühlmerkmal« geschätzt.

Fazit:

Ob die neuen gemeinschaftlichen Wohnformen zukunftsfähig sind, wie klein eine Wohnung sein kann und welche Services verzichtbar sind, wird auch davon abhängen, ob es gelingt, einen nachfragegerechten Mix unterschiedlicher Grundrisse und Wohnungsgrößen zu schaffen. »Monokulturen« sind kein Erfolgsmodell.

Dabei werden die insgesamt steigenden Ansprüche an die Wohnung und das Wohnumfeld zu berücksichtigen sein. Dort wird die Digitalisierung der Wohnungsbestände mittlerweile auch spürbar. Der Trend zum Bau altersgerechter Wohnanlagen wird sich fortsetzen, und zwar nach der Formel »Was für ältere Menschen gut ist, kann für jüngere nicht schlecht sein«.

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